EMD

 

Die Vermittlungstechnik ist ein ungemein weit reichendes und vielschichtiges Gebiet. Sie soll hier nur knapp in den Grundzügen umrissen werden.


Die ersten und bisher am verbreitetsten automatischen Vermittlungsapparate für Selbstwahl waren Hebdrehwähler. Ein solcher Leitungswähler (LW) besteht Elektromagneten, dem Schaltarm, Kontaktsatz und einer Portion Feinmechanik. Auf die erste vom Teilnehmer kommende Impulsserie wird der Schaltarm entsprechend der Impulszahl angehoben. Die erste Impulssalve steuert die Drehschritt des Schaltarms. In der kurzen Zwangspause zwischen den Wählschritten wird automatisch vom Hebemagnet auf den Drehmagneten umgeschaltet. Mit einem solchen Leitungswähler lassen sich folglich schon 100 Teilnehmer oder 100 Fernleitungen aussuchen.


Wollte man mit Hilfe eines einzigen Leitungswählers eine Wählanlage für hundert Teilnehmer aufbauen, wäre das höchst unrentabel. Es könnte immer nur einer telefonieren und die anderen müssten geduldig auf den freien Wähler warten. Teilte andererseits jedem einzelnen Teilnehmer einen eigenen Leitungswähler zu, wäre das äußerst unwirtschaftlich. Schon eine mittlere Endvermittlungsstelle würde dann so groß geraten wie ein Sportpalast. 
Aus Erfahrung weiß man, daß niemals alle angeschlossenen Teilnehmer gleichzeitig ein Gespräch führen. Selbst in den Hauptverkehrszeiten sind nur bis zu 20% der Teilnehmer beim Telefonieren. So genügt es durchaus, für 100 Anschlüsse zehn Leitungswähler bereit zu halten.


Zwischen den rufenden Teilnehmern und den Leitungswählern sitzen kleine Drehwähler, so genannte Vorwähler (VW). Wenn ein Teilnehmer den Hörer abnimmt, beginnt sein Vorwähler oder - moderner - sein Anrufsucher (AS) sofort, einen freien Leitungswähler zu suchen. Erst wenn der Vorwähler stillsteht, ertönt das Freizeichen.
Diese beiden Wählertypen reichen jedoch nicht aus für größere Fernsprechnetze. Vor den Leitungswählern, die zum Gerufenen direkt vermitteln, müssen zumeist noch vorangestellte Wahlziffern verarbeitet werden. Das wird von Gruppenwählern (GW) erledigt. Diese sind auch heute noch, im Computer-Zeitalter, zum Teil als Hebdrehwähler ausgeführt.


Der Gruppenwähler arbeitet ein wenig anders als ein Leitungswähler. Vom Nummernschalter des Teilnehmers werden nur die Höhensehritte, die Dekaden, gesteuert. Mit jeder zusätzlichen Gruppenwahlstufe lässt sich die mögliche Teilnehmerzahl in einem Netz verzehnfachen. Technisch ist somit der Anzahl der Fernmeldeanschlüsse keine Grenze gesetzt. Je mehr Teilnehmer an ein Netz angeschlossen sind, desto geringer wird der finanzielle Aufwand Vermittlungseinrichtungen pro Anschluss. Die Freiwahlzeit, die Zeit, in der ein Wähler die Ausgänge auf frei oder besetzt prüft beträgt etwa eine halbe Sekunde. Wegen künstlichen Nachlauf der Wählscheibe schafft es kein Teilnehmer, seinen Nummernschalter unter dieser Zeit wieder aufzuziehen. Auch in der Tastwahlelektronik für Impulswahl wird diese für Umschalten und Impulserkennung wichtige Pause berücksichtigt.